Save Weißbuch – Der Fluss Save: Bedrohungen und Renaturierungspotential

Die Save ist einer der interessantesten und komplexesten Flüsse Europas. Entlang ihres Flusslaufs von 926 Kilometer durchfließt sie ein ganzes Spektrum an unterschiedlichen Lebensräumen. Gemeinsam mit ihren Zuflüssen bietet das Sava-Becken eines der besterhaltenen und  vielfältigsten Flusssysteme Europas. Wie so viele andere europäische Flüsse steht auch die Save an einem Scheideweg: einerseits ist die Verbesserung des ökologischen Zustands von Gewässern ein klar definiertes Ziel der Europäischen Union. Anderseits sollen auch Hochwasserschutz, Freizeitnutzung und  Transportkapazitäten, etc. erhöht werden. Darüber hinaus gefährdet der Ausbau von Wasserkraft und Schifffahrt sowie Kiesentnahme den Fluss noch weiter.

In welche Richtung geht es mit der Sava? Diese Frage haben wir uns im Rahmen der „Rettet das Blaue Herz Europas“ gefragt. Unsere Antwort ist dieses Weißbuch. Es soll als umfassenden Überblick auf die Situation der Save dienen. Was dieses Weißbuch jedoch besonders macht ist, dass es die erste Studie ist, die Empfehlungen für flächenspezifischen natürlichen Hochwasserschutz und Flussnaturierungsprojekte bietet. Sprich: es zeigt wo ehemalige Augengebiete wieder natürlich überflutet werden könnten und in welchen Abschnitten dem Sava Flussbett wieder mehr Platz gegeben werden kann.

Save Weißbuch – englische Gesamtstudie
Save Weißbuch – Kartenatlas

 

 

Finanzierung von Wasserkraftprojekten in Schutzgebieten in Südosteuropa

Südosteuropa ist zurzeit das Ziel einer Welle an Wasserkraftprojekten. In einer Region mit einer tötlichen Kombination von Europas letzten Wildflüssen einerseits und ungezügelter Korruption sowie mangelndem Naturschutz andererseits, ist das Schadenspotenzial enorm. Eine diesjährige Studie von Dr. U. Schwarz (siehe Studie "Wasserkraftprojekte in Naturschutzgebiete auf dem Balkan" weiter unten) hat ergeben, dass fast die Hälfte der Projekte in Naturschutzgebieten geplant ist. Diese Studie will aufzeigen wer die Hauptakteure hinter der Finanzierung der Wasserkraftprojekte in der Region (sowohl innerhalb als auch außerhalb von Naturschutzgebieten) sind - soweit angesichts der Verschwiegenheit des Finanzsektors möglich. Die ausführliche Analyse zeigt, dass multilaterale Entwicklungsbanken eine zentrale Rolle spielen. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), die Europäische Investitionsbank (EIB) und die Internationale Finanz-Corporation der Weltbank (IFC) haben Kredite über insgesamt EUR 818 Mio für nicht weniger als 75 Wasserkraftprojekte vergeben - 30 davon mit Auswirkungen auf Schutzgebiete wie Nationalparks, Natura 2000 Gebiete, und Ramsar Gebiete.

!!! Update Januar 2017 !!!
Die EBRD hat laut eigener Angaben die Finanzierung von 4 kleinen Wasserkraftwerken in Mazedonien gestrichen: Zrnovska reka 1, Zrnovska reka 2, Estericka reka, Kadina reka. Darüber hinaus hat die Bank auch die Finanzierung für das 68 MW Boskov Most Kraftwerk im Mavrovo Nationalpark (Mazedonien) zurückgezogen. Betreffend des Ternove Kleinkraftwerks in Albanien hat die EBRD angegeben auf Basis eines Briefes betroffener Anrainer eine Vor-Ort-Untersuchung durchgeführt zu haben. Laut der Bank wurde nichts gefunden, das die Sorgen der Anrainer begründen würde. Bankwatch wird die Angelegenheit weiterhin beobachten.

 

 

Wasserkraftprojekte auf dem Balkan – Update

In einer Folgestudie der ursprünglichen Studie "Gewässermorphologie und Staudammplanungen" von 2012 (U. Schwarz) wurden nun auch Kleinwasserkraftwerke berücksichtigt. In der Studie von 2012 wurden ursprünglich nur Wasserkraftwerke über 1 MW dokumentiert. In diesem Update wurden nun insgesamt 2.683 geplante Wasserkraftprojekte auf der Balkanhalbinsel registriert. Zusätzlich konnten 714 bereits bestehende Kraftwerke in der Region verzeichnet werden. Die 2.683 geplanten Projekte sind basierend auf den vier Größenkategorien wie folgt verteilt: 68 sehr große Projekte (> 50 MW), 178 große Projekte (10-50 MW), 867 mittlere Projekte (1-<10 MW) and 1,570 Kleinprojekte (0.1-< 1 MW).

Hydropower Projects on the Balkan Rivers – Update - englische Gesamtstudie

Karten:

Gesamtregion Slowenien Kroatien Bosnien & Herzegowina
Serbien Montenegro Kosovo Albanien
Mazedonien Bulgarien Griechenland Türkei

 

 

Wasserkraftprojekte in Naturschutzgebiete auf dem Balkan

Diese Studie untersucht Wasserkraftprojekte auf dem Balkan, die in Naturschutzgebieten geplant sind. Insgesamt wurden 1.640 geplante Wasserkraftwerke auf Basis eines detaillierten und kategorisierten Netzwerks an Naturschutzgebieten untersucht. 535 Projekte oder 32% sind in strengen Schutzgebieten geplant. Weitere 282 Wasserkraftwerke (17%) sollen in anderen Schutzgebieten mit schwächeren Schutzstatus gebaut werden. Insgesamt fallen 817 oder 49% aller geplanten Wasserkraftwerke in Schutzgebiete. Dies weist darauf hin, dass diese Vorgehensweise eher die Regel als die Ausnahme ist und Schutzgebiete unter hohem Druck durch den Ausbau von Wasserkraft stehen.

Wasserkraftprojekte in Naturschutzgebiete auf dem Balkan – englische Gesamtstudie

Wasserkraftprojekte in Naturschutzgebiete auf dem Balkan - deutsche Zusammenfassung

Wasserkraftprojekte in Naturschutzgebiete auf dem Balkan - englische Zusammenfassung

Wasserkraftprojekte in Naturschutzgebiete auf dem Balkan - slowenische Zusammenfassung

Wasserkraftprojekte in Naturschutzgebiete auf dem Balkan - kroatische Zusammenfassung

Wasserkraftprojekte in Naturschutzgebiete auf dem Balkan - albanische Zusammenfassung

Wasserkraftprojekte in Naturschutzgebiete auf dem Balkan - mazedonische Zusammenfassung

Karten:

Wasserkraftprojekte in allen Schutzgebieten - KARTE

Wasserkraftprojekte in Nationalparks - KARTE

Wasserkraftprojekte in Ramsar/Biospährenreservate/UNESCO Welterbestätte Natur - KARTE

Wasserkraftprojekte in Natura2000 - KARTE

Wasserkraftprojekte in nationalen Schutzgebieten und EMERALD - KARTE

Wasserkraftprojekte in anderen Schutzgebieten - KARTE

 

 

Der Huchen Hucho hucho auf dem Balkan

Aktuelle Verbreitung und künftige Auswirkungen durch den Ausbau von Wasserkraft

Der Huchen ist einer der bekanntesten und beeindrucktesten Flussfische Europas. Er gilt als eine empfindliche Indikatorart für einige der ökologisch wertvollsten Flüsse im Einzugsgebiet der Donau. Einst war diese bis zu 1,8 Meter große Art beinahe über den gesamten Donauraum verbreitet. Seit dem späten 19. Jahrhundert sind die Huchenbestände um zwei Drittel zurückgegangen. Die  verbliebenen Populationen sind nun vor allem durch den Bau neuer Wasserkraftwerke gefährdet. Über das Kerngebiet ihrer aktuellen Verbreitung – die Flüsse des Balkans – war bislang wenig bekannt.

Im Rahmen der "Rettet das Blaue Herz Europas" Kampagne, haben 18 Wissenschaftler aus 7 Ländern erstmals flächendeckend erhoben, wo zwischen Slowenien und Montenegro noch Huchen vorkommen. Das Ergebnis zeigt klar: Die Balkanflüsse sind das letzte große Kerngebiet dieser Art. In 43 Flüssen wurden auf einer Strecke von insgesamt 1.842 Kilometern überlebensfähige Huchenpopulationen nachgewiesen. Das entspricht 65% aller bekannten Huchenflüsse weltweit. 93 Kraftwerke sind jedoch in Flussabschnitten mit überlebensfähigen Huchenpopulationen geplant . Werden diese Pläne realisiert muss mit einem Populationsverlust von 70% gerechnet werden.

The Huchen Hucho hucho in the Balkan region - englische Gesamtstudie

Der Huchen Hucho hucho auf dem Balkan  - deutsche Zusammenfassung

Der Huchen Hucho hucho auf dem Balkan - englische Zusammenfassung

Der Huchen Hucho hucho auf dem Balkan - slowenische Zusammenfassung

Der Huchen Hucho hucho auf dem Balkan - kroatische Zusammenfassung

Der Huchen Hucho hucho auf dem Balkan - Karten    jpg map 1   jpg map 2

Huchen Galerie

 

 

Verträglichkeit der Wasserkraftprojekte im Mavrovo Nationalpark mit EU-Recht

Das Ökobüro – eine Allianz der österreichischen Umweltbewegung – hat die Wasserkraftprojekte im Mavrovo Nationalpark auf ihre Verträglichkeit mit EU Gesetzgebung und Richtlinien geprüft. Der Report der Rechtsexperten ergab, dass die Projekte im hohen Maße gegen EU-Recht verstoßen. Besonders kritisch ist das Fehlen wichtiger Umweltdaten, was zu falschen und irreführender Ergebnisse in der Umweltprüfung führt. Außerdem hätte vor Einleitung des Genehmigungsverfahrens die Gesamtwirkung mehrerer geplanter Projekte im Nationalpark (insgesamt 22 Wasserkraftanlagens!) berücksichtigt werden müssen.  Dies ist nicht passiert.  

Hier der Bericht: Nature destruction under the guise of energy security? Analysing EU law compliance of HPP Plans in Mavrovo NP in Macedonia

 

 

Gewässermorphologie und Staudammplanungen

In Vorbereitung auf die Kampagne haben wir die Grundlagen erhoben: wir haben 35.000 Flusskilometer auf ihre Gewässermorphologie (strukturelle Intaktheit des Flusses)  untersucht. Das Ergebnis ist bestechend: 30 Prozent der Balkanflüsse sind in einem natürlichen Zustand, weitere 50 Prozent sind nur gering bis mäßig verändert. Das heißt, fast 80 Prozent von 35.000 Kilometern Fließgewässer sind in einem sehr guten bis akzeptablen Zustand. Das ist Höchstwert in Europa.

Auch zu geplanten Staudammprojekten im Balkan wurde eine umfassende Recherche durchgeführt.

Hier finden Sie die Studie zur Gewässermorphologie und Staudammplanung:

Balkan River Assessment Executive Summary
Balkan River Assessment
Balkan River Assessment River Catalogue

 

Auch Länder Specials wurden angefertigt:

Slovenia Croatia Bosnia & Herzegovina Serbia
Montenegro Kosovo Albania Macedonia
Bulgaria Greece Turkey  

 

 

Balkan Fische und Weichtiere

Die Arche Noah Europas ist der Balkan. Was die Fliegenfischer Europas schon lange wußten, ist nun auch wissenschaftlich erwiesen: der Balkan ist für bedrohte Fischarten das wichtigste Gebiet Europas. Das gilt ebenso für die Süßwassermuscheln und Süßwasserschnecken.

Der renommierte Fischexperte Dr. Jörg Freyhof hat in seiner Studie die Bedeutung der Balkanflüsse für die europäische Fauna nachgewiesen. 69 Fischarten kommen ausschließlich hier vor. 28% aller bedrohten Fischarten des Süßwassers leben in diesen Flüssen. Noch gravierender ist das Verhältnis bei den Weichtieren: im Adernetz des Balkans leben über 40% der gefährdeten Weichtierarten Europas.

Und noch eines wird klar gestellt: werden die Staudämme wie geplant umgesetzt, bedeutet das das Ende der Vielfalt unter Wasser. 75% aller Fischarten und 70% der Muscheln und Schnecken würden mit den durch die neuen Dämmen veränderten Lebensraum nicht zurecht kommen und entweder aussterben oder drastisch im Bestand zurückgehen.

Threatened freshwater fishes and molluscs