Climate Crimes in Deutschland

Am Mittwoch beginnt die Tour mit dem Film durch Deutschland. Die erste Aufführung ist in Hamburg im Abaton Kino. Mit dabei ist Niko Paech, Deutschlands bekanntester Wachstumskritiker. Am 24. läuft der Film in Potsdam.

Climate Crimes – Film über Umweltverbrechen im Namen des Klimaschutzes Dokumentation läuft am 23.1. im Hamburger Abaton Kino, 20 Uhr

Wien/Hamburg/Potsdam, 21.1.2013 Eigentlich soll der Klimaschutz ja unsere Erde retten. Doch nun beschleunigt er stattdessen die Zerstörung der letzten Naturgebiete. Am 23. Januar zeigt Naturschützer und Filmemacher Ulrich Eichelmann seinen Film Climate Crimes im Hamburger Abaton Kino, eine Dokumentation über die Folgen grüner Energieprojekte und den Missbrauch des Klimaschutzes. In fernen Ländern wie vor unserer Haustür. Im Anschluss an die Vorführung gibt es die Möglichkeit zur Diskussion mit dem bekannten Wachstumskritiker Niko Paech und mit Ulrich Eichelmann. Der Film wird aufrütteln. Hoffentlich,“ sagt Christian Rathner vom Österreichischen Rundfunk, ORF.

Zentraler Punkt der Klimastrategien ist der massive Ausbau der erneuerbaren Energieformen. Darin sind sich fast alle einig. Klingt vernünftig. Aber ist es das auch? Doch was verbirgt sich hinter diesen Worten und Slogans und welche Folgen hätte das für Natur, die Artenvielfalt und viele Menschen, wenn wir diesen „grünen Weg“ weitergehen?

Diesen Fragen geht Climate Crimes nach. „Wir haben grüne Energieprojekte in Amazonien, Mesopotamien, Indonesien und Deutschland gefilmt. Das Ergebnis ist durchaus erschreckend,“ so Ulrich Eichelmann.

Abseits großer Konferenzen und schöner Worte dominieren im Klimaschutz zerstörerische Großprojekte. Staudämme bedrohen Amazonien ebenso wie  Mesopotamien, die Wiege unserer Zivilisation. Palmöl zur Beimischung zum Diesel soll die Klimabilanz des Verkehrs verbessern, zerstört aber die Urwälder Indonesiens und ist jährlich für den Tod hunderter oder gar tausender Orang-Utans verantwortlich. „Aber es sind nicht nur ferne Länder, die ihre letzten Oasen zerstören, sondern wir machen es genauso,“ erzählt Ulrich Eichelmann. In Deutschland zerstört der Biogasboom selbst Naturschutzgebiete, etwa das Biosphärenreservat Chorin-Schofheide nördlich von Berlin. Biogasanlagen verbrauchen enorme Mengen Mais zur Energiegewinnung. Maisflächen sind zwar grün, aber sie sind ökologische Wüsten und für den Rückgang vieler Arten verantwortlich. In Deutschland wuchs zuletzt die Anbaufläche von Energiemais jährlich um 200.000 Hektar. Auch deshalb konnte Deutschland 2011 erstmals seit langer Zeit den Getreidebedarf nicht decken. Zu viele Landwirte hatten auf Biogas umgestellt.

„Echter Klimaschutz ist wichtig und richtig. Aber was heute alles im Namen des Klimaschutzes umgesetzt wird, zerstört möglicherweise mehr Natur, als der Klimawandel selbst. Wenn Flüsse zerstört und Staudämme gebaut, Regenwälder abgeholzt und Kulturlandschaften in intensive Monokulturen verwandelt werden, sind das plötzlich keine Umweltverbrechen mehr, sondern grüne Investitionen und angewandter Klimaschutz. Das ist absurd, aber kaum jemand scheint den Etikettenschwindel zu merken,“ so Ulrich Eichelmann. Climate Crimes will einen Beitrag leisten, das zu ändern.

„Was derzeit im Namen nicht nur des Klimaschutzes, sondern auch des grünen Wachstums vonstatten geht, würde ich als eine Art Amoklauf gegen die Natur und damit auch gegen den letzten Rest an ökologischer Vernunft bezeichnen.“ Niko Paech, Wirtschaftswissenschaftler.

Trailer: www.riverwatch.eu/climate-crimes/trailer

Infos zum Film: www.riverwatch.eu/climate-crimes

Ulrich Eichelmann (51): Der gebürtige Deutsche (Kreis Paderborn) lebt seit 25 Jahren in Wien. Bis 2007 arbeitete er beim WWF Österreich v.a. im Fließgewässerschutz. Engagiert sich weltweit gegen den Bau von Wasserkraftwerken wie dem Ilisu Projekt in der Türkei. Er leitet die Naturschutzorganisation RiverWatch, ein Verein zum Schutz der Flüsse mit Sitz in Wien und ist Mitarbeiter der Manfred-Hermsen-Stiftung in Bremen.

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