228 Wissenschaftler aus 33 Ländern kämpfen für Europas letzten Wildfluss

Web_Logo klein_blue heartGemeinsame Pressemitteilung von Riverwatch und EuroNatur

++ 3-jähriger Baustopp für Wasserkraftwerke an der Vjosa in Albanien gefordert ++ Umweltprüfung nach EU-Standards dringend nötig ++ Memorandum an Premier Edi Rama übermittelt ++ am 25. September ist Internationaler Tag der Flüsse ++

Die Vjosa ist der letzte große Wildfluss Europas außerhalb Russland © Gregor Subic

Die Vjosa ist der letzte große Wildfluss Europas außerhalb Russland © Gregor Subic

Tirana, Wien, Radolfzell, 22.9.2016 Rechtzeitig zum Internationalen Tag der Flüsse am 25. September hat Europas letzter großer Wildfluss – die Vjosa in Albanien – namhafte Unterstützung aus aller Welt erhalten. 228 Wissenschaftler aus 33 Ländern fordern in einem gemeinsamen Memorandum den albanischen Premierminister Edi Rama auf, die Vjosa zu schützen und zumindest für die nächsten drei Jahre auf den Bau von Wasserkraftwerken zu verzichten. In dieser Zeit soll eine seriöse Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) des bislang nahezu unerforschten Flusses durchgeführt werden. Die albanische Regierung hatte vor kurzem ein türkisches Unternehmen mit dem Bau des ersten Wasserkraftwerks (Pocem) beauftragt. Die Genehmigungen stehen noch aus, sowie auch der Nachweis der Umweltverträglichkeit.

Unter den Forschern ist die Crème de la Crème der internationalen Flusswissenschaftler vertreten, etwa Prof. Robert Naiman von der University of Washington (USA), zugleich UNESCO Chair for Sustainable Rivers, Prof. Geoff Petts von der University of Westminster (Großbritannien), und aus Deutschland Prof. Michael Succow, Träger des Alternativen Nobelpreises (Right Livelihood Award).

„Diese Unterstützung zeigt die globale Bedeutung der Vjosa und wie wichtig nun eine verantwortungsvolle Politik ist, die dem herausragenden Wert dieses Flusses gerecht wird. Es braucht eine seriöse UVP, um die Folgen des Wasserkraftprojekts Pocem belastbar abzuklären“, so Prof. Friedrich Schiemer von der Universität Wien. Die 228 Forscher fordern deshalb vom albanischen Premierminister Edi Rama:

  • ein 3-jähriges Moratorium für sämtliche Bauvorhaben an der Vjosa und ihren Zuflüssen.

  • im Rahmen der Kraftwerksplanung ein UVP-Verfahren nach EU-Standards anzuordnen, das in den 3 Jahren durchgeführt werden kann.

  • die systematische Erforschung der Vjosa zu unterstützen, etwa durch ein Team aus albanischen und internationalen Wissenschaftlern. Die Wissenschaftler sagen zu, sich um die Finanzierung eines 3-jährigen Forschungsprogramms zu bemühen.

Die Vjosa ist der letzte große Wildfluss Europas außerhalb Russlands. Sie fließt auf 270 Kilometer Länge, in Albanien frei von technischen Verbauungen. Große Bereiche sind noch unerforscht. Unter anderem ist noch nichts über die Brutvogelvorkommen der riesigen Flussinseln bekannt. Trotzdem hat die albanische Regierung kürzlich den Bau des Wasserkraftwerks „Poçem“ mit einer 25 Meter hohen Staumauer beschlossen.

Die Wissenschaftler unterstützen mit dem Memorandum auch ihre albanischen Kollegen, die sich ebenfalls geschlossen gegen die drohende Zerstörung der Vjosa engagieren. „Die Umweltprüfungen in unserem Land sind in der Regel nicht das Papier wert, auf dem sie geschrieben sind. Unser Wissen über die Flora und Fauna sowie über die Geschiebesituation an der Vjosa ist noch zu gering, um eine seriöse UVP durchzuführen. Wir brauchen Zeit für das dringend nötige Forschungsprogramm an der Vjosa“, so Prof. Aleko Miho von der Universität Tirana.

“Die Vjosa ist für die Wissenschaft von unschätzbarer Bedeutung. Nirgendwo sonst kann noch untersucht werden, wie die natürliche Dynamik von Flüssen funktioniert, die uns vielfältige Ökosystemleistungen bereitstellt: fischreiche Gewässer, fruchtbare Böden, biologische Vielfalt, sauberes Trinkwasser, Rückhalt von Hochwässern oder Naturerlebnis. Das Wasserkraftwerk “Poçem” könnte diese Einmaligkeit mit einem Schlag vernichten“, so Dr. Martin Pusch vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin.

 

Weitere Informationen: 

 

Rückfragen 

Prof. Friedrich Schiemer – Universität Wien: friedrich.schiemer@univie.ac.at +43 699 10188845
PD Martin Pusch – Leibniz-Institut: pusch@igb-berlin.de +49 30 64181681
Prof. Aleko Miho – Universität Tirana: mihoaleko@yahoo.com
Cornelia Wieser – Riverwatch: cornelia.wieser@riverwatch.eu  +43 650 4544784
Katharina Grund – EuroNatur: katharina.grund@euronatur.org   + 49 7732 92 72-10

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