Rettet das blaue Herz Europas -  Save the Balkan Rivers

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Den Balkan verbindet man bei uns mit vielen Dingen: mit Urlaub am Mittelmeer, vergangene Kriege, aber sicher nicht mit tollen Flüssen. Doch tatsächlich gibt es zwischen Slowenien und Griechenland die besten Flüsse Europas – hier schlägt das blaue Herz des Kontinents. Hier kann man noch tatsächlich lebende Flüsse erleben. Kristallklare Bäche, spektakuläre Wasserfälle, tiefe Schluchten, Auwälder und große Wildflüsse mit riesigen Schotterinseln. Außerdem sind diese Flüsse eines der großen Zentren europäischer Artenvielfalt. Haben Sie gewusst, dass hier 69 Fischarten leben, die es nur hier gibt und sonst nirgends auf der Welt? Oder dass hier mehr als 40% aller in Europa gefährdeten Süßwassermuscheln und Süßwasserschnecken leben?

Gregava, Bosnien und Herzegowina. Foto: A. Vorauer

Bregava, Bosnien und Herzegowina. Foto: A. Vorauer

Kaum jemand weiß das. Doch dieser unbekannte Schatz ist bedroht. Er soll im wahrsten Sinne des Wortes hinter Dämmen verstaut werden. 2.683 Wasserkraftwerke (einschließlich Kleinwasserkraftwerke mit einer Kapazität von 0-1 MW) sollen dort in den nächsten Jahren gebaut werden – häufig mit Firmen und Geld aus dem Westen. Selbst die schönsten und wertvollsten Flussstrecken sollen nicht verschont bleiben.

Wir – die Naturschutzorganisationen Riverwatch und Euronatur – wollen diesen Exodus verhindern. In den letzten Jahren haben wir das Adernetz des Balkans studiert. Das Ergebnis ist beeindruckend: von den untersuchten 35.000 Flusskilometer sind noch etwa 80% der Flüsse in einem sehr guten oder guten Zustand: 30% fast unberührt und weitere 50% in einem guten Zustand, d.h. nur wenig beeinflusst. Innerhalb der EU ist es in der Regel eher umgekehrt – 80% sind in einem schlechten Zustand.

Das blaue Herz Europas

Auf einer Flusskarte sieht das Ergebnis so aus:
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Mit blau sind alle unberührten Strecken gekennzeichnet, grün ist naturnah, gelb naturfern und rot bedeutet „eingestaut“. Während das Flussnetz im Balkan zum Größteil noch mit blau und grün eingefärbt werden kann würde eine vergleichbare Karte von “Resteuropa” rot und gelb leuchten.

Europäisches Artenzentrum

Die Balkanflüsse zeichnen sich auch durch eine enorm hohe Artenzahl und v.a. durch eine große Anzahl von Endemiten aus, also Arten, die nur hier vorkommen und nirgendwo sonst auf der Welt. Soweit man heute weiß, sind das bei den Fischen 69 Arten. Ebenfalls beeindruckend sind die Fakten bezüglich Süßwassermollusken (Muscheln und Schnecken): 40% aller gefährdeten Molluskenarten Europas leben in den Flüssen und Seen des Balkans.

Theodoxus fluviatilis

Theodoxus fluviatilis. Foto: Jörg Freyhof

Unio Crassus

Unio Crassus

Doch es ist durchaus möglich, dass es noch weitere Arten gibt. Ein weiteres Merkmal der Balkanflüsse ist nämlich, dass sie häufig noch nicht wirklich erforscht sind.

Außerdem dürfte diese Region das Bestandszentrum einer ganz besonderen Art sein: des Huchen. Dieser auch Donaulachs genannte Fisch kann über 1,80 Meter lang werden. Sein Lebensraum sind rasch fließende intakte Flüsse mit vielen Schotterbänken. Anders als im Rest seines europäischen Verbreitungsgebietes findet er in den Balkanflüssen noch ideale Bedingungen. Der Huchen hat ein Problem: Staudämme zerstören seinen Lebensraum und hindern ihn bei der Wanderung.

Doch es ist nur wenig über die Bestände dieses Fisches am Balkan bekannt. Im Rahmen der „Save the Blue Heart of Europe“ Kampagne wollen wir das ändern – Untersuchungen sind in Vorbereitung.

Die Bedrohung

Dem blauen Herz Europas droht der Infarkt. Nach unseren Untersuchungen ist in den nächsten Jahren der Bau von 2.683 Wasserkraftwerke (einschließlich Kleinwasserkraftwerke mit einer Kapazität von 0-1 MW) geplant. Viele Länder planen den „Totalausbau“ ihrer Flüsse. Nach Fertigstellung einiger neuer Dämme  sieht das Land Mazedonien den Bau  von weiteren 203 Wasserkraftwerken vor (4 davon werden bereits gebaut) während Albanien weitere 337 Dämme plant (wovon 24 im Bau sind). Klar ist, dass selbst die besten Flüsse und sogar Nationalparks in Gefahr sind.

Map after Update with Legend GER

Unter dem Deckmantel grüner Energie sollen selbst die besten Flüsse bzw. Flussstrecken zerstört werden - wie durch diesen Staudamm in der Türkei. Genau das will die Kampagne „Save the Balkan Rivers“ verhindern.

Unter dem Deckmantel grüner Energie sollen selbst die besten Flüsse bzw. Flussstrecken zerstört werden – wie durch diesen Staudamm in der Türkei. Genau das will die Kampagne „Save the Blue Heart of Europe“ verhindern.

Der Bau des Kalivaç Wasserkraftwerks an der Vjosa hat 2007 begonnen. Dank Finanzierungsprobleme fließt die Vjosa noch frei durch. Doch wie lange noch?

Der Bau des Kalivaç Wasserkraftwerks an der Vjosa hat 2007 begonnen. Dank Finanzierungsproblemen fließt die Vjosa noch frei durch. Doch wie lange noch?

Die Kampagne

In der Kampagne konzentrieren wir uns auf drei Flussgebiete, die unbedingt von Wasserkraftwerken frei gehalten werden müssen: Die Vjosa in Albanien, der Mavrovo Nationalpark in Mazedonien und die Save in Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina

Lesen Sie mehr über die Kampagne unter http://www.balkanrivers.net/de

NEWSBalkan Rivers

Video: Huchen in der Mur bei Graz

zum Thema Allgemein, Balkan Rivers, Mur

Sehenswerter Filmbeitrag über die Huchen in Graz und Franz Keppel - einen Kämpfer für Fische und Flüsse.

Sie leben noch! Die Huchen der freifließenden Grazer-Mur. Doch nun geht es ums Überleben!! Die erfreuliche Wiedergeburt der Mur wird durch einen bereits erfolgten Baustart der [...]

„Weißbuch Save“ vorgestellt

zum Thema Balkan Rivers

Gemeinsame Pressemitteilung von Riverwatch und EuroNatur

++ Chancen und Bedrohungen für einen der wertvollsten Flüsse Europas ++ Hochwasserschutz ausgearbeitet ++ Am 2. Februar ist Weltfeuchtgebietstag ++

Das „Weißbuch Save“ beschreibt erstmals in komprimierter Form die ökologische Bedeutung und die Bedrohungen der Save - [...]