Verdammte Flüsse

Staudammboom bedroht die Lebensadern der Welt – auch in Österreich

Aktuelle Aussendung zum Wasserschwerpunkt des ORF

Wien, 4.6.2014. Fluss kommt von fließen, doch damit könnte es bald vorbei sein. Geht es nach dem Willen der Energiewirtschaft und vieler Politiker könnten bald auch die letzten Flüsse verstaut sein, weltweit genauso wie in Österreich.

Die aktuell größte Bedrohung für die Flüsse ist der massive Ausbau von Staudämmen bzw. Wasserkraftwerken. Anders als noch vor 20 Jahren gilt Wasserkraft bei vielen als grün und erneuerbar. Selbst Prominente machen Werbung dafür („Danke Wasserkraft!“).

Doch tatsächlich ist sie für Natur und Menschen eine der bedrohlichsten und am meist unterschätzten Energieformen. Hier einige Fakten:

Wussten Sie, dass…

  • es weltweit ca. 50.000 große Staudämme gibt?
  • sie dabei eine Fläche der Größe Spaniens (506.000km2) überfluten?
  • die Einwohnerzahl Deutschlands – nämlich 80 Millionen Menschen – durch Überflutung vertrieben worden sind, davon 23 Millionen in China?
  • 500-750 Millionen Menschen unter den Folgen von Staudämmen leiden? (Water Alternatives und Survival International, 2011)
  • Flüsse samt ihren Auen die weltweit am meist bedrohten Lebensräume sind, noch vor Wälder und Meere? (WWF Living Planet Index)
  • Stauseen Wasserverschwender sind? Aus Stauseen verdunstet mehr Wasser, als Industrie und Haushalte weltweit verbrauchen? Bildlich gesprochen verdunsten konstant fast vier Niagarafälle. (UNDP).
  • Wasserkraft klimaschädlich ist? Vier Prozent aller klimaschädlichen Gase entstehen in Stauseen (v.a. Methan). Staudämme tragen damit im gleichen Maße zur Klimaerwärmung bei, wie der gesamte Flugverkehr weltweit.
  • ein Drittel der Flusssedimente (Sand, Kies) das Meer nicht mehr erreicht, weil sie hinter den Staumauern zurückgehalten werden?
  • sich dadurch auch die Hochwassergefahr erhöht? Wegen den fehlenden Sedimenten verkleinern sich die Flussdeltas und Sturmfluten gelangen leichter ins Landesinnere (z.B. Mississippi-Delta und New Orleans). Die Vereinten Nationen erwarten deshalb, dass bis 2020 weiter 50 Millionen Menschen von Hochwässern betroffen sein werden.
  • 80 Prozent des Stroms aus sogenannten erneuerbaren Energiequellen aus Wasserkraft stammt?
  • 16 Prozent des weltweiten Stroms aus Wasserkraft stammt? (World Electricity Generation Pie Chart)
  • derzeit 350 Megadämme (über 60 Meter) im Bau sind, ebenso wie tausende mittlere und kleinere Dämme?
  • die jährlich geplante Bausumme dafür bei 80-100 Milliarden US Dollar liegt? (Solar: 19 Mrd $ in 2011)
  • die Projekte immer größer werden? Das Wasserkraftwerk Belo Monte in Brasilien soll der drittgrößte Damm der Welt werden; wenn auch nicht lange, denn am Kongofluss in Afrika ist der Gran Inga-Staudamm geplant. Seine Leistung soll doppelt so groß sein wie die des „Drei Schluchten“ Damms in China.
  • Europas letzte intakte Flüsse am Balkan liegen? Fast 80 Prozent des 35.000 Kilometer langen Adernetzes sind noch in einem guten oder sogar sehr guten ökologischen Zustand. (Balkan Rivers)
  • eben dort über 570 Wasserkraftwerke geplant sind? Häufig mit westlichen Firmen und Geldgebern. (Balkan Rivers Karte)
  • es in den USA bereits eine Gegenbewegung zum Staudammboom gibt? Etwa 1.000 Dämme wurde hier bereits abgerissen (Dam Removals Map)
  • in Österreich die Uhren aber noch anders ticken? Mehr als 250 Wasserkraftwerke sind hier geplant, davon 37 in Naturschutzgebieten, weitere 73 in den letzten intakten Gewässerstrecken. Danach würde kaum noch ein Fluss frei fließen. (UWD Wasserkraftwerksliste)
  • es eigentlich gar nicht so schwer ist, eine Lösung zwischen Energiebedarf und Natur- und Menschenschutz zu finden? Wie das funktionieren könnte steht HIER.

Weitere Information:

Ulrich Eichelmann      ulrich.eichelmann@riverwatch.eu     Tel: 0043 676 6621512
Cornelia Wieser          cornelia.wieser@riverwatch.eu         Tel: 0043  650 4544784
www.riverwatch.eu
www.internationalrivers.org/node/8326
www.balkanrivers.net

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